Zahn-, Kiefer- und Zahnfleischerkrankungen

Mögliche Symtome

  • tränende, feuchte oder eitrige Augenpartie (durchgehend, nur ab und an oder manchmal)
  • auffällige, untypische Futteraufnahme (Zerbröseln von Futter, Fallenlassen und Wegwerfen des Futters, Drehen des Futters, Rumwühlen im Napf ohne was richtig zu fressen)
  • Vermeidung harter Futtermittel und solcher, die man lange zermahlen muss
  • Präferenz weicher Futtermittel
  • Anzeichen von Schmerzen v.a. beim Fressen, aber auch außerhalb
  • Gewichtsabnahme, Untergewicht 
  • Futterverweigerung
  • Sabbern; feuchte Stellen ums Mäulchen, später auch an Brust und Bauch
  • Kopfschiefhaltung beim Fressen
  • Knochenauftreibungen am Unterkiefer
  • hervorstehende Augen, erhöhter Augeninnendruck
  • Kieferabszesse
  • zu lange Schneidezähne.
  • schief abgeschliffene Schneidezähne
  • Verdauungsprobleme
  • Apathie oder/und Aggression

⚠️Wichtig⚠️
Oft treten nur 1-2 dieser Symptome auf und oft erst im fortgeschrittenem Stadium.

Beginnende Zahnprobleme kann man nur durch regelmäßige Prophylaxe rechtzeitig erkennen. Wir empfehlen daher 1-2x jährlich einen Vorsorgetermin bei einem chinchilla- und zahnkundigen Tierarzt.

Ursachen

  • falsche Ernährung während der Trächtigkeit, Laktation oder von Geburt an bzw. in den ersten Wochen
  • zu wenig abrasive Futtermittel, ungenügender Zahnabrieb
  • Zahnfrakturen, Trauma (ein Schlag oder Unfall)
  • Altersbedingte Erscheinung
  • Entzündungsprozesse
  • angeborenen bzw. genetisch bedingte Zahnerkrankungen (= primäre Malokklusion)

Mögliche Zahn-, Kiefer-, Zahnfleischprobleme

Scheidezähne:

  • zu lange, fehlgestellte oder uneben abgenutzte Schneidezähne
  • helle oder fleckige Schneidezähne
  • abgebrochene Schneidezähne
  • lockere Schneidezähne

Backenzähne:

  • scharfkantige Zahnspitzen, die Ver­letz­ung­en der Zunge oder Wange nach sich ziehen
  • zu lange, fehlgestellte, faulige, abgestorbene oder lockere Backenzähne
  • frakturierte/gespaltene Back­en­zähne
  • vereiterte Zähne
  • Abszesse
  • retrograder Zahnwachstum (Wurzeln "wachsen" in den Kiefer hinein und durchbrechen ihn; bei oberen: Wurzeln drücken auf Nasen-Tränen-Kanal und in die Augenhöhle hinein; bei unteren: Knochenauftreibungen am Unterkiefer)
  • Kieferfrakturen
  • Karies

Zahnfleisch:

  • Entzündungen
  • Fremdkörper (Heuhalm, Schale etc. im Zahnfleisch)

Diagnose

  • Untersuchung mit einem Otoskop
  • Untersuchung mit Maulgatter und -spreizer
  • Röntgenbilder (mehrere aus jeder Perspektive, OHNE Narkose möglich!) - nur durch Röntgenbilder kann eine Zahnerkrankung ausgeschlossen werden, bitte darauf bestehen

⚠️Wichtig⚠️
Das gesunde Gebiss sieht bei Chins anders aus als bei Meerschweinchen und Kaninchen. Bei Chins dürfen die Backenzähne nicht höher sein als das (gesunde, nicht bereits hochgewucherte) Zahnfleisch, sonst ist es ein eindeutiges Indiz für zu lange, nicht oder falsch abgenutzte Zähne. Bei Meeris und Ninchen ist das Höhersein hingegen der Normalzustand.
Das ist der erste Grund, warum sehr viele Tierärzte oftmals fatalerweise ein krankes Chinchillagebiss als gesund bezeichnen und erste Zahnerkrankungen durch Hineingucken ins Mäulchen nicht erkennen.

Ferner muss immer wieder betont werden, dass eine Zahnerkrankung nur mithilfe eines Röntgenbildes ganz sicher ausgeschlossen und eine genaue Diagnose nur anhand der Bilder erfolgen kann. Auch hier ist es aber leider so, dass das Tierärzte a. nicht wissen, b. sich oft weigern zu röntgen (v.a. ohne Narkose!) und c. die gemachten Röntgenbilder sowieso nicht auswerten können und das Gebiss dann als normal/gesund betiteln. Das alles ist natürlich fatal und als Besitzer ist man mehr als aufgeschmissen. Häufig erfolgt aufgrund dieser Ahnungslosigkeit eine falsche Behandlung und das Tier quält sich über eine lange Zeit. Dass man sich nicht auskennt, wird verschwiegen.

Was können wir empfehlen?
1. Beim Verdacht auf eine Zahnerkrankung (z.B. feuchte Augenpartie oder Gewichtsabnahme) sollte man auf Röntgenaufnahmen aus mindestens 2 Perspektiven ohne Narkose bestehen.
2. Man lasse sich diese Aufnahmen in jedem Fall mitgeben.
3. Man schickt diese Bilder an chinchilla-scientia@web.de, bei Verdacht schickt man die Bilder ebenfalls zu Frau Theermann (https://tierarzt-klein-auheim.de/), die diese fachmännisch auswertet und weiterhilft 
5. Idealerweise findet man einen fachkundigen Tierarzt, der die regelmäßigen Zahnsanierungen vornimmt, was sich allerdings sehr schwierig gestaltet. Oder man sucht sich einen Tierarzt, der bereit ist, sich von Frau Theermann eine fachkundige Behandlung erklären zu lassen und mit ihr eng kooperiert. Auch das ist leider schwer, da viele ja der Meinung sind, sie wüssten es selber besser. Dass das eine Lüge ist, zeigen die vielen vielen Fälle allein in unserer Gruppe, wo Tierärzte ein Gebiss als gesund bezeichnen, jedoch liegt de facto eine teilweise massive Zahnerkrankung vor!

Therapie

  • Abschleifen von Zahnspitzen
  • Stellungskorrektur der Backenzähne
  • starkes Kürzen/ Runterscheleifen der Backenzähne, um den Druck auf die Wurzeln zu nehmen
  • Kürzung von Schneidezähnen
  • Extraktion von einzelnen Zähnen
  • Abszessbehandlung
  • knochengängiges Antibiotikum (um Zahnsubstanz zu härten und bei Entzündungen und lockeren Zähnen)
  • Schmerzmittel (Metacam, Novalgin)
  • bei Verdauungsstörungen Mittel wie Colosan oder Darm aktiv
  • Zufüttern mit Brei
  • Anpassung des Speiseplans

 

Leider sind einige Zahnerkrankungen (v.a. retrogrades Zahnwachstum) nicht heilbar. Das kranke Tier muss regelmäßig zum Tierarzt zum Zähneschleifen, zur Kontrolle und zu Therapiefortführungsgesprächen. Hat das Chinchillas Schmerzen, kann kaum bis gar nicht mehr selbstständig fressen und hat kaum Lebensqualität mehr, sollte es euthansaiert werden. Dennoch können Zahnchins auch noch Jahre gut leben!