Häufigsten Krankheiten und Todesursachen

Erfahrungswerte

Meine persönlichen Erfahrungen zeigen, dass Herz- und v.a. Zahnerkrankungen die häufigsten Erkrankungen und zeitgleich die häufigste Todesursache darstellen. Ferner liegen viele Chins von einem auf den anderen Tag plötzlich tot in ihrem Käfig - sie zeigten den Tag zuvor noch keine Auffälligkeiten. Auch Tumore bzw. Krebs kommen häufig vor und enden fast immer tödlich. Leider sterben immer noch sehr viele Tiere, ohne dass eine Todesursache gefunden oder erkannt wird. Fehlbehandlungen stehen in Tierarztpraxen an der Tagesordnung.

 

Nicht zu vernachlässigen sind Bisse und das Totbeißen zwischen den Tieren, diverse Unfälle, Operationskomplikationen v.a. durch Narkose oder danach und Hitzschläge im Sommer.

 

Lungen- und Gebärmutter-Entzündungen sowie Verdauungsstörungen kommen bei Chinchillas zwar regelmäßig vor, sie führen jedoch bei einer rechtzeitigen und angemessenen Behandlung nur selten zum Tode.

 

 

Hier kann man das vorläufige Ergebnis aus unserer Gruppen-Umfrage bezüglich den häufigsten TODESURSACHEN sehen:

 

Häufigste Krankheiten- literaturbasiert

Bei Chinchillas stehen Erkrankungen des Verdauungsapparates im Vordergrund. So wurden an der Klinik für kleine Haustiere der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Zeitraum vom August 1998 bis August 1999 von insgesamt 154 Chinchillas 73 Tiere mit Magen-Darm-Erkrankungen vorgestellt, davon entfielen 55 Vorstellungsgründe auf Zahnprobleme. Weitere Diagnosen waren: 22 Nerven- und Sinnesorganerkrankungen, wovon 16 Krampfanfälle ausmachten, 22 Hauterkrankungen, darunter 15 Abszesse, 9 mal Erkrankungen der Bewegungsorgane, 3 mal der Atmungsorgane, ebenso 3 mal Erkrankungen der Geschlechtsorgane ua [1]. Im Zeitraum 1990-1999 war die Anzahl der vorgestellten Chinchillas an der Klinik für kleine Haustiere zunehmend [2]. Ein Trend, der bei der zunehmenden Haltung von Heimtieren, insbesondere exotischer Arten, sicherlich angehalten hat.
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Unter den Magen-Darm-Erkranungen ist die Giardiasis die häufigste Parasitose des Chinchilla, die besonders bei Jungtieren mit hohen Verlusten einhergehen kann [3]. 66.6% von 195 der von PANTCHEV et al. im Giardien-ELIS-Assay untersuchten Chinchilla-Kotproben waren positiv [4]. Die Tiere können sich über die direkte Aufnahme (Koprophagie) bzw. über mit Oozysten behaftete Futterpflanzen infizieren [6]. Jedoch erst bei prädisponierenden Faktoren wie Immunsuppression oder Instabilitäten der Darmflora können sich Giardien massenhaft vermehren und Erkrankungen auslösen [3]. Streß, ein unreines Umfeld, kontaminiertes Wasser oder eine andere Grunderkrankung können als solche prädisponierende Faktoren angesehen werden [5]. Während der Säugeperiode erkranken Jungtiere nicht, dagegen scheint das Absetzen (als Streßfaktor) öfters den Ausbruch einer manifesten Giardiose zu begünstigen [7]. Bei immunkompetenten Wirten induzieren Giardia-Infektionen eine Immunität, welche die Erregerpopulation teilweise oder ganz eliminiert und einen partiellen Schutz vor Reinfektionen verleiht [8].
Ferner sind unter den Magen-Darm-Erkrankungen Darmmykosen von Bedeutung, welche jedoch immer sekundär bedingt sind. Als Ursachen für Insabilitäten der Darmflora und eine Infektion mit Hefepilzen kommen in diesem Zusammenhang insbesondere Zahnerkrankungen, Fütterungsfehler und Parasitosen in Frage [3].
Zahn- und Kiefererkrankungen sind ein häufiges Problem in der Heimtierhaltung. So wiesen von über sechshundert durch Crossley untersuchten, gesund erscheinenden Tieren, 35% Veränderungen auf, die mit Verlängerungen der Zahnwurzeln assoziiert werden konnten [10]. Zwar kommen verschiedene Ursachen für eine Zahnanomalie in Frage, wie genetisch bedingte Fehlstellungen, Traumata oder Erkrankungen mit Inappetenz [3], jedoch scheint bei als Heimtiere gehaltenen Chinchilas der Mangel an stukturierter Rohfaser und die damit verbundene ungenügende Kauaktivität der größte Faktor in der Genese von Zahn- und Kiefererkrankungen zu sein, welche von Stress und Fehlversorgung in ihrem Verlauf negativ beeinflusst werden können [9].
Oft können bei Chinchillas tetanische Zustände beobachtet werden. Diese werden bei mangelhaftem Fütterungsregime auf eine Hypokalzämie zurückgeführt. Es können aber auch trotz adäquater Fütterung familier gehäuft Hypokalzämien nachgewiesen werden [3], so dass eine genetische Prädisposition angenommen werden kann.
Doch auch bei Herzerkrankungen können Anfallgeschehen beobachtet werden, welche vom Halter als Krämpfe mißgedeutet werden. Während in früher Literatur die Autoren davon sprachen, dass Herzschäden beim Chinchilla nicht oder sehr selten zu diagnostizieren sind [11, 12] oder sie äußerst selten vorkommen bzw. noch seltener entdeckt werden [6], sprechen neuere Werke von einer relativ häufig vorkommenden Erkrankung unterschiedlicher Genese [3]. Im Rahmen von „Echocardiography in the Chinchilla“ wurden drei von zwanzig Tieren aufgrund festgestellter Herzgeräusche von der Studie ausgeschlossen [13]. Das häufige Vorkommen bei Jungtieren wird als Grund für plötzliche Todesfälle diskutiert [5], ihr Auftreten spricht für kongenitale Veränderungen [3].
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Literatur
[1] Diagnose und Gründe für die Vorstellung von Heimtieren in der tierärztlichen Praxis, M. Fehr in Praxisrelevante Fragen zur Ernährung kleiner Heimtiere (kleine Nager, Frettchen, Reptilien), Beiträge einer Fortbildungsveranstaltung des Instituts für Tierernährung und der Klinik für kleine Haustiere, Hannover, 2.10.1999
[2] Untersuchungen zur Bedeutung der Heimtiere in der tierärztlichen Fortbildung in Bezug zur Entwicklung des Heimtieranteils am Gesamtaufkommen der Patienten der Klinik für kleine Haustiere, der Klinik für Zier- und Wildvögel sowie der Klinik für Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Ina Rheker, 2001
[3] EWRINGMANN, A., GLÖCKNER B. (2005): Leitsymptome bei Meerschweinchen, Chinchilla und Degu. Diagnostischer Leitfaden und Therapie. 1 Aufl., Enke-Verlag, Stuttgart
[4] PANTCHEV, N. et al. (2005): Endoparasitosen bei Kleinsäugern aus privater Haltung und Igeln - Labordiagnostische Befunde der koprologischen, serologischen und Urinuntersuchung (2002–2004). Tierärztl Prax 2005; 33 (K): 296-306
[5] RICHARDSON, V.C.G. (2003): Diseases of Small Domestic Rodents. 2 Aufl., Blackwell Publishing
[6] FEHR, M. (2005): Chinchilla. In: Garbisch K., Zwart P: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover, 183-212
[7] EGEN, H., ERNST H. (1995): Chinchilla. In: Garbisch K., Zwart P: Krankheiten der Heimtiere. Schlütersche Verlagsanstalt, Hannover, 173-196
[8] ECKERT, J. et al. (2004): Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 1 Aufl., Enke-Verlag, Stuttgart
[9] DENTAL DISEASE IN CHINCHILLAS, David Alan Crossley, 2003
[10] Dental Disease in Chinchillas in the U.K. Crossley DA: J Small Anim Pract, 42(1):12–19, 2001
[11] KRAFT, H. (1994): Krankheiten der Chinchillas. 5. Aufl., Enke Verlag Stuttgart
[12] SCHWEIGART, G. (1995): Chinchilla, Heimtier und Patient. Gustav Fischer Verlag, Jena
[13] Echocardiography in the chinchilla, Linde, A. et al, Journal of Veterinary Internal Medicine, 2004 (Vol. 18) (No. 5) 772-774

Hier eine weitere Studie zum Thema Krankheiten & deren Todesfolgen beim Chinchilla: http://www.chinvermittlung.forumieren.com/t4309-lucena-rb-et-al-diseases-of-chinchilla-chinchilla-lanigera

Zusammenfassung:
- es wurden 202 nach dem Tode einer Obduktion unterzogen
- bei 189 Chins konnte eine Todesursache festgestellt werden
- Alter zwischen 1 Tag und 12 Jahren, das meiste Weibchen
- 1. Platz mit 25,7%: entzündliche Erkrankungen: Gastritis (10 Fälle), nekrotisierende Enteritis (6 Fälle), Listeriose (5 Fälle), Sepsis (5 Fälle), bakterielle Lungenentzündung (4 Fälle), Pyometra ( 4 Fälle), Durchfall mit Proteus sp verbunden. (3 Fälle), subkutane und Lymphknotenabszessen (2 Fälle), Endometritis (2 Fälle), Otitis (2 Fälle), Pyelonephritis (2 Fälle), Abszesse in der (1 Fall), fibrinöse Pneumonie (1 Fall), interstitielle Pneumonie (1 Fall), Hepatitis und Cholezystitis mit Salmonella sp verbunden. (1 Fall), Lungen-Histiozytose (1 Fall) und Dermatophytose durch Trichopyton metagrophytes (1 Fall).
- 2. Platz mit 22,3% = Vergiftungen, darunter 45 Fälle von Vergiftungen durch Salinomycin
- 10,4% = physikalische Einwirkungen wie Traumata durch andere Tiere
- 7,9% = metabolische Erkrankungen v.a. Leber Lipidose
- 4% = Parasitäre Krankheiten
- 2,5% = degenerative Erkrankungen (chronisches Nierenversagen, hepatozelluläre Nekrose, Muskelnekrose unbekannter Herkunft)
- 0,99% = Durchblutungsstörungen (kongestive Herzinsuffizienz)
- 0,5% = Entwicklungsstörungen (Fehlen von Organen etc.)
- 18,8% = andere Erkrankungen, in dieser Kategorie waren Zahnerkrankungen am häufigsten (9%) vertreten; ferner Hyperthermie, Fett Metaplasie der Nebennierenrinde usw.