Grün-, Saft- und Frischfutter

Natürlicher Chinchillalebensraum
Natürlicher Chinchillalebensraum

 

Nachdem in den 50/60ern die kommerzielle Chinchillafütterung mit reinem Trockenfutter v.a. Pellets in Mode kam, geriet Frischfutter immer mehr in den Hintergrund bis man davor sogar warnte und es regelrecht verteufelte. Doch seit einigen Jahren erlebt die Frischfuttergabe glücklicherweise eine Renaissance. An dieser Stelle soll gezeigt werden, warum es für unsere Tiere so wertvoll, natürlich und auch keineswegs bedenklich ist.

1. Vorzüge von Frischfutter

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Chinchillas und andere Nager und Kaninchen sind nicht an viel Trinken angepasst, sie beziehen in der Natur ihren Flüssigkeitsbedarf überwiegend aus Frischfutter - auch Chinchillas! Weiterführende Links dazu:
  • Vorteilhaft für säugende Muttertiere: Frischfutter fördert die Milchproduktion
  • Kargheit: Trockenfutter ist immer gehaltvoller, da hier die Nährstoffe in konzentrierter Form vorliegen. Bei kärglicher Kost ist eine höhere Nahrungsaufnahme möglich, was zu mehr Zahnabrieb, mehr Beschäftigung und somit mehr seelisches Wohl beiträgt
  • Abwechslung wie in der Natur: Je nach Alter, Saison und Wetter sind die chilenischen Pflanzen wasserreich bis vertrocknet; Sukkulenten sind jedoch immer sehr wasserrhaltig. Im Verbreitungsgebiet, v.a. dem früheren, wachsen viele verschiedene frische Futterpflanzen.
  • Bessere Verwertung und Reinigung: Frischfutter unterscheidet sich von Trockenfutter lediglich durch den höheren Wassergehalt und Wasser ist nicht schädlich. Im Gegenteil: Es reinigt die Blase und andere Organe von Ablagerungen, wasserlösliche Vitamine können besser verwertet und Giftstoffe aus dem Körper entsorgt werden usw.
  • Nährstoffe: die Tiere nehmen mehr und natüliche Vitamine und Spurenelemente auf, die beim Trocknungsprozess der Futterpflanzen partiell verloren gehen
  • Erfahrung: Mit Frischfutter gibt es lange, positive Erfahrungswerte, da Frisches vor dem Einführen der Pellets durch die Futtermittelindustrie ein fester und wichtiger Speiseplan-Bestandteil war
  • Robustheit: Chinchillas sind von Natur aus robust und vertragen abwechslungsreiche Kost und Frischfutter problemlos wie es bereits erste Züchter feststellten:

"In freier Wildbahn hat das Tier die Möglichkeit, sich heute dies, ein andernmal jenes Kräutlein, nach dem ihm im Augenblick gelüstet, zu suchen und zu fressen. [...] weil gerade auf kargen Gebirgsböden sehr viele Kräuter mit hohem Gehalt an ätherischen Ölen und anderen, für den Stoffwechsel äusserst bekömmlichen Inhaltsstoffen vorkommt, glaubten wir annehmen zu können,dass die Flora der Chinchillaheimat darin keine Ausnahme war. So kam es zu der Beimischung verschiedenster Heilkräuter. Aus dem ganzen Reservoir der aus der alten Volksmedizin und der Pharmazie bekannten und erhältlichen Kräuter wurden kleine Proben den Tieren vorgelegt und die am liebsten angenommenen entsprechend ihrer Wirksamkeit auf Körper und Organe in bestimmter Menge pulverisiert dem Futter beigemischt."
Quelle: Wolf, Johannes: Chinchillazüchterpraktikum, 1961

"Die Chinchilla ist ein hartes Tier. Es kann kein besseres Merkmal für ihre Widerstandsfähigkeit geben als ihre Fähigkeit, bei den verschiedensten Futterkombinationen leben zu können. Dadurch ist die Fütterung nicht nur leicht, sondern auch sehr interessant. Es läßt sich keine allgemein gültige Regel aufstellen. Es können hier nur die Tatsachen festgestellt und Ratschläge erteilt werden, die sich aus langer Pionierarbeit ergeben haben. Jeder Züchter muß seinen eigenen Futterplan zusammenstellen unter Beachtung der naturgegebenen Bedingungen im Tiere. Tägliche Beobachtung des Kotes ist unerläßlich, um durch entsprechende Fütterung zu regulieren, falls er zu dünn oder zu hart ist. [...] Im Sommer gebe man blühenden Klee und Löwenzahn, wie auch alle Arten nicht giftiger Unkräuter. Im Winter wird das Grünfutter ersetzt durch Weizenkeime, getrocknete Früchte (Äpfel, Birnen)... Zur Erhöhung der Vitamine gebe man im Winter dreimal wöchentlich jedem Tier eine Schnitte einer Orange oder einer Pampelmuse. Man sorge auch für Abwechslung in der Beifütterung und halte die Tiere bei gutem Appetit. Für den Züchter ist das wesentlichste die Liebe zu den Tieren, das Sichhineinleben in ihre Wesensart. Dann wird er von selbst erkennen, was seinen Tieren not tut und ihnen förderlich ist. [...] Man bedenke, daß Abwechslung nötig ist und beobachte täglich das Wesen der Tiere und insbesondere ihre Losung. Diese muß länglich und dick sein, licht bis dunkelbraun, an den Enden nicht spitz, in der Größe so, daß sie gerade noch durch das vorgeschriebene Bodengitter durchfällt. Ist die Losung zu hart, so fehlen Grünfutter oder im Winter Früchte; ist die Losung weich, so füttere man einige Tage nur Heu und kein Grünfutter bzw. keine Früchte..."
Quelle: Zettl, Josef: Die Chinchilla, 1957

Chinchilla David liebt Frischfutter
Chinchilla David liebt Frischfutter

2. Mögliche Gefahren

Leckeres Saftfutter
Leckeres Saftfutter
  • Chins mit sensiblem oder defektem Verdauungstrakt können Durchfall oder eine Aufblähung bekommen - v.a. bei Kohl, Klee, Luzerne - oder wenn eine zu große Menge auf einmal aufgenommen wird
  • Chins, die einseitig ernährt werden, könnten Durchfall oder eine Aufgasung bekommen - v.a. bei Kohl, Klee, Luzerne
  • Chins, die mit Pellets ernährt werden, vertragen Frischfutter v.a. potenziell Blähendes wie z.B. Klee oder Kohl schlechter, da sich Pellets lange im Verdauungstrakt aufhalten und es so zu Fehlgärungen kommen kann
  • manches Gemüse und Obst wird frisch nicht gefressen oder ist problematisch bis unverträglich, aber getrocknet ein geeignetes Beifutter

3. Wichtige Hinweise

  • Chinchillas müssen neben Frischfutter auch immer zusätzlich getrocknete Futtermittel bekommen (Heu, getrocknete Kräuter, Blüten, Blätter, Kraftfutter). Eine ausschließliche Frischfutterernährung ist bei Chinchillas nicht artgerecht.
  • Viele Chinchillas sind gegenüber Frischfutter zuerst skeptisch und es kann mithin bis zu mehrere Monate dauern, bis sie dieses probieren und Gefallen an ihm finden. Hartnäckigkeit zahlt sich meist aus!
  • Grünfutter und Blattgemüse, welches zum Grünfutter zählt, ist nach Möglichkeit, Früchten und Gemüse immer vorzuziehen.

  • Chinchillas sollten langsam an Frischfutter gewöhnt werden. Welche Pflanzen sich für den Einstieg eignen, siehe weiter unten.

  • Auch bei Chinchilals gilt: Geschmäcker sind verschieden, somit gelten die unten aufgeführten Richtlinien nicht für alle Tiere

Frisch gepflücktes und gesammeltes Grünfutter
Frisch gepflücktes und gesammeltes Grünfutter

4. Beliebtheits-Tipps

Beliebtes Grünfutter:

  • Löwenzahn (komplett)
  • Zweige aller geeigneter Bäume und Sträucher samt Blatt, Knospen und Blüte (z.B Apfel, Aprikose, Weide, Kirsche, Bambus...)
  • Alle Süßgräser samt Blüte
  • Alle Distelsorten samt Blüte
  • Andere Wiesenkräuter (Ampfer, Klee, Gänseblume, Spitz-/Breitwegerich, Luzerne, Schafgarbe, Berufkraut, Wicke, Zaunwinde, Topinambur...)
  • Callisia repens/ „Golliwoog“ und Tradeskantien
  • Basilikum
  • Möhrengrün
  • Chicoree und andere Salatsorten
  • Kohlrabiblätter (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)

Beliebtes frisches Obst & Gemüse:

  • Apfel
  • Hagebutten
  • Weißdornbeeren
  • Birne
  • Banane
  • Trauben
  • Blumenkohl (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)
  • Brokkoli (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)
  • Kohlrabiblätter (in kleiner Menge und nicht als Anfangsgemüse geeignet)
  • Möhre mit Kraut
  • Chicoree und andere Salatsorten (z.B. Miniromana/Salatherzen, Radicchio, Rauke)