Lebenserwartung

In den meisten kommerziellen Büchern und Internetseiten werden biblische Altersangaben von 20-26 Jahren genannt. Fakt ist jedoch, dass die wenigsten Chinchillas so alt werden ähnlich wie ein Mensch seltenst 100 Jahre alt wird. 

Die Lebenserwartung von Chinchilla brevicaudata liegt tatsächlich bei über 20 Jahren, das von lanigera (unsere Haustiere) hingegen liegt in jedem Fall drunter. Bickel gibt in seinen Büchern eine Lebenserwartung von 18 Jahren an. Prinzipiell ist ein erreichtes Alter von bereits 15 Jahren als sehr positiv zu bewerten!

 

Dass die Lebenserwartung dieser Tiere als Haustier immer weiter sinkt, liegt v.a. an unsachgemäßer Vermehrung/Zucht. Wie alt ein Chinchilla wird, hängt in erster Linie von seiner genetischen Prädisposition ab. Nicht wenige Tiere, die aus (Massen-)Vermehrungen, schlechten Zuchten, wo Null auf Gesundheit geachtet wird, und Inzucht kommen oder aber auch Nachwuchs von Notfalltieren werden nicht wirklich alt. Nicht selten werden diese Tierchen bloß rund 5-8 Jahre alt, oder sie sterben gar deutlich früher z.B. wegen angeborener Erkrankungen wie Herz- oder Zahnanomalien.

Die anderen Faktoren, die sich auf die Lebensdauer auswirken, sind die Haltung und Fütterung der Heimtiere. Eine defizitäre Haltung in falschem Käfig (Plastik, Gitterebenen, scharfe Stellen, abstehende Nägel, zu kleiner Käfig, etc.), mit dem falschen, unpassenden Partner oder eine falsche Vergesellschaftungsart können zu lebensbedrohlichen Bisswunden, Verletzungen, Stürzen, Immunsystemschwächung durch Stress u.Ä. führen. Durch schlechte Hygiene kann es zu Infekten (Pilz, Bakterien, Viren) kommen, zu viel Hygiene kann hingegen das Immunsystem schwächen inkl. dessen Folgen. Eine falsche Ernährung kann zu Zahnproblemen, Organschäden und Verdauungsproblemen führen, die allesamt tödlich enden können.

 

An der Stelle spielt die Ernährung des trächtigen und säugenden Muttertieres eine Rolle sowie die des Jungtieres in den ersten Lebenswochen. Werden hier Fehler begangen, so wirkt sich das unwiderbringlich ein Leben lang auf die Gesundheit aus z.B. auf den Kiefer und die Zähne.

Jedoch spielt bezüglich der Lebensdauer die Genetik die Primärrolle: Sprich, wenn ein Chinchilla nicht artgerecht gehalten und gefüttert wird, dennoch aber günstige genetische Predisposition besitzt, kann es mitunter sehr alt werden. Das kann und v.a. konnte man an früheren Großzucht-/Pelzerchinchillas sehen, die in Miniknästen und bei reiner Pelletfütterung auch sehr alt werden konnten.
Andersherum gilt, dass wenn ein Chinchilla sowieso bereits „schlechte“ Gene in sich trägt, sich die Sekundärfaktoren Haltung und Fütterung umso schlimmer auf seine Gesundheit auswirken, sodass die Lebenserwartung dann wirklich gering anzusetzen ist. Umgekehrt kann man die Lebensdauer eines genetisch benachteiligten Chins durch artgerechte Haltung und Ernährung jedoch erhöhen.
Passend dazu führe ich ganz gerne das Raucherbeispiel an: Raucht jemand sein Leben lang, bedeutet es lange nicht, dass er an Krebs oder anderen rauchbedingten Erkrankungen/Folgen stirbt oder gar früh stirbt. Raucher können aufgrund guter Gene älter werden als Nichtraucher. Genauso gut kann ein Mensch, der in seinem Leben noch nie geraucht hat, an Lungenkrebs sterben oder sehr jung an einer anderen Krankheit.
Oft bekomme ich zu hören: Aber mein Chin ist 18 Jahre alt geworden oder war noch nie krank, also MUSS ich es infolge dessen gut gehalten und ernährt haben. Das ist natürlich wie man u.a. an dem Raucher- oder dem Pelzerbeispiel sieht, falsch.

Die Herkunft der Tiere spielt also bei der Lebenserwartung erst einmal keine große Rolle. Ob nun eine Privatabgabe, Tierheimtier oder Zuchttier: man kann nicht sagen, dass das eine gesund bleiben wird oder länger leben wird als das andere. Über die genetische Vorgeschichte wissen wir nämlich meist nichts oder kaum etwas. Es können auch nur sehr wenige Zuchten wirklich vorweisen, dass ihre Zuchtlinien über Generationen hindurch (Anm.: erbliche Krankheiten können Generationen überspringen) keine vererblichen Krankheiten in sich tragen.

Als Neuling ist es oftmals sinnvoll, ein möglichst gesundes Tier aufzunehmen, da eine plötzlich auftretende Erkrankung oder etwas Chronisches die Halter möglicherweise überfordern könnte. Mehr als auf richtige Vermehrungschinchillas und deren Nachwuchs oder auf bereits auf den ersten Blick unseriös scheinende Zuchten zu verzichten, bleibt einem in dem Fall jedoch nicht. Der Rest in Frage kommender Chins sollten im Idealfall mehrfach besucht werden, man sollte auf die Zähne, Schnauze, das Fell etc. achten und ein gutes Gefühl haben. Hier bieten sich bestimmte Privatabgaben z.B. wegen Zeitmangel, Umzug und sonstiger privater Umstände an oder Tierheim-/Pflegestellen-Chinchillas, die aus den selbigen Gründen abgegeben worden sind. Ein weiterer Vorteil von Pflegestellen ist zudem, dass die Inhaber die Tiere bereits eine Zeit lang beobachtet haben und sie kennen und bestimmte Informationen zu den Tieren und ihren Zustand liefern können. Sie werden dann sicherlich auch keine kranken Tiere in Neuhalterhände geben.

 

 

Setzt man die Lebenserwartung von Chinchilla lanigera bei etwa 15-18 Jahren und die Pubertät beim Beenden des 1,5-2 Jahres an an, so könnte das die folgende, ungefähre Entsprechung in Menschenjahren haben: