Chinchillazahnkundigen Tierarzt erkennen

Chinchilla mit etwas schief abgenutzten und zu langen Zähnen
Chinchilla mit etwas schief abgenutzten und zu langen Zähnen

In folgendem Text geht es um das Tierwohl, nicht um Tierarztbashing. 

Leider kennen sich wirklich nur sehr wenige Tierärzte gut mit Chinchillas aus, insbesondere mit ihrem Gebiss und der Behandlung der Zähne. Wir erleben in unserer Beratungstätigkeit sehr häufig, dass fachmännische Diagnostik - v.a. Röntgenbilder - nur auf ausdrücklichen Wunsch des Halters gemacht werden und die Ergebnisse dann falsch gedeutet werden. Sogar mehr als eindeutig kranke Gebisse werden als gesund oder leicht auffällig betitelt. Ferner werden nur einzelne Zahnspitzen entfernt, statt das ganze Gebiss auf seine physiologische Länge herunterzuschleifen. Es ist völlig in Ordnung, nicht alles zu wissen. Chinchillas nehmen, wenn überhaupt, einen nur sehr geringen Anteil des Tiermedizinstudiums ein - den Rest muss sich ein Arzt selber aneignen oder entsprechende Fortbildungen besuchen. In dem Fall sollten Tierärzte jedoch offen mit uns Haltern sein und an einen fachkundigen Kollegen verweisen anstatt die Tiere falsch zu behandeln.

 

An der Stelle möchte ich einige Kriterien aufzählen, woran man einen chinchillazahnkundigen Tierarzt erkennen kann, damit dem kranken Tier richtig geholfen werden kann und es nicht unnötig leiden muss.

  • Der Tierarzt schlägt von sich aus vor, Röntgenbilder zu machen und schaut nicht nur oberflächlich ins Maul
  • Der Tierarzt schaut ins Mäulchen und erkennt ggf. bereits so, ob die Zähne gesund oder auffällig sind
  • Der Tierarzt röntgt das Chinchilla bzw. dessen Gebiss, wenn bei der Maulinspektion nicht alles top ist oder wenn ein oder mehrere Symptome (v.a. feuchtes Auge) vorliegen und auf Zahnprobleme hindeuten können - Ausnahme: Er kann sicher(!) eine Bindehautentzündung oder einen Hornhautschaden o.Ä. feststellen (keine Vermutung!)
  • Der Tierarzt röntgt ohne oder in leichter Gasnarkose. Lediglich, wenn man bereits im Voraus weiß, dass direkt im Anschluss des Röntgens eine Zahnsanierung stattfindet, ist eine Injektionsnarkose sinnvoll
  • Der Tierarzt erstellt Röntgenbilder aus mehreren Perspektiven, nicht nur eins
  • Die Bilder sind nicht verwackelt, verkippt oder unscharf
  • Der Tierarzt erklärt stets, was er macht, was er sieht und erläutert dem Halter gemachte Röntgenbilder
  • Der Tierarzt spricht nicht nur von "Zahnspitzen", denn diese allein ohne bereits deutlich zu lange Zähne/ Kauflächen und ggf. noch weitere Probleme existieren NICHT
  • Dem Tierarzt sagen Referenzlinien etwas, er zeichnet diese bestenfalls auf min. einem Röntgenbild ein und zeigt und erläutert die Ergebnisse dem Halter
  • Der Tierarzt weiß und klärt auf, dass beim Zähnesanieren Verletzungen entstehen können, die sich hin und wieder entzünden können. Er weist den Halter darauf hin, dass er dies im Hinterkopf behalten und das Fressverhalten beobachten und dann ggf. wieder vorstellig werden soll zwecks erneuter Untersuchung und Antibiotika-Gabe
  • Kleinere Schleifarbeiten kann der Tierarzt bei kooperationswilligen Tieren bestenfalls auch ohne Narkose oder in leichter Gasnarkose durchführen
  • Der Tierarzt schleift und knipst die Zähne nicht
  • Der Tierarzt kürzt nicht nicht nur die Backen- oder Schneidezähne, sondern alle Zähne und passt sie aneinder an
  • Der Tierarzt gibt Schmerzmittel mit, wenn eine mittlere oder größere Maulsanierung vorgenommen wurde oder wenn die Zahnerkrankung bereits fortgeschritten ist und das Tier wahrscheinlich leidet (Anm.: Chins zeigen Schmerzanzeichen oftmals erst im Endstadium)
  • Der Tierarzt verabreicht ein Antibiotikum, wenn tiefergehende Sanierungen vorgenommen wurden wie z.B. eine Zahnfleischkürzung oder Zahnextraktion
  • Der Tierarzt weiß, wie man Medikamente korrekt dosiert (leider wird v.a. Meloxicam immer noch unterdosiert)
  • Der Tierarzt kennt die Grundlagen der Physiologie von Chinchillas z.B.:
    • Der Tierarzt kennt die gesunde Länge der Zähne (= gleich hoch wie gesundes, nicht bereits gewuchertes Zahnfleisch; ob das Zahnfleisch gewuchert ist, erkennt man spätestens auf Röntgenbildern) und der Zahnwurzeln (Referenzlinien!)
    • Der Tierarzt kennt die gesunde Farbe der Zähne (Schneidezähne = orange, Backenzähne = weiß)
    • Der Tierarzt kennt die Unterschiede zwischen dem Kaninchen-, Meerschweinchen- und Chinchillagebiss
  • Der Tierarzt ist bereit, in Fachbüchern nachzuschlagen oder sich mit erfahrenen Kollegen zu beraten
  • Der Tierarzt beantwortet Fragen des Halters und gibt offen zu, wenn er etwas nicht sicher weiß
  • Der Tierarzt leitet Röntgenbilder, bisherige Untersuchungsergebnisse etc. auf Wunsch an den Halter oder einen anderen Arzt weiter
  • Der Tierarzt klärt über die artgerechte Ernährung auf, um den Zahnabrieb optimal zu fördern
  • Der Tierarzt klärt über die Häufigkeit der zukünftig notwendigen Behandlungen auf und gibt eine Prognose ab
  • Der Tierarzt rät zur Euthanasie, wenn das Tier sichtlich leidet, die Prognose schlecht ist und man dem Tier nicht tierschutzkonform helfen kann

 

Es macht ggf. Sinn, sich vorab einige Fragen zu überlegen und zu stellen, um einen ersten Eindruck zu bekommen, ob der Arzt genug Ahnung hat.

 

Auf unserer Tierarztliste findet ihr einige zahnkundige Tierärzte. Es macht Sinn, auch weite Strecken zu fahren - insbesondere für die Erstdiagnose und Komplettsanierung. Falls irgendwie erreichbar, rate ich hierfür zu Frau Dr. Theermann in Hanau.