Herzerkrankungen

Herzerkrankungen kommen bei Chinchillas recht häufig vor, v.a. bei Notfalltieren, Tieren aus Vermehrung, schlechter Zucht oder Inzucht. Findet man seine Tiere plötzlich tot im Käfig, liegt die Ursache vermutlich nicht selten bei unerkannten Herzproblemen; auch Todesfälle ohne Kenntnis der Ursache verbergen oft eine Herzerkrankung. Viel zu selten werden Chinchillas von Tierärzten auf Herzauffälligkeiten hin untersucht.

Zuchtlinien, in denen herzkranke Tiere vorkommen, dürfen nicht weiter in der Zucht eingesetzt werden, da Herzerkrankungen vererbt werden!

 

Ich hatte / habe seit 2007 bis heute 4 herzkranke Chins (Herzklappenfehler, zu großes Herz, 2 nicht näher definierte Herzprobleme). In unserer Umfrage zum Thema Todesursachen befanden sich Herzerkrankungen unter den Top 5, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich höher sein wird.

Bei der Studie von Pignon (2012) wiesen 23% der untersuchten Chinchillas anormale Herzgeräusche auf (1).

Im Rahmen der Studie von Linde (2004) wurden drei von zwanzig Tiere aufgrund festgestellter Herzgeräusche von der Studie ausgeschlossen (2).

 

Symptome

  • fehlender Appetit, Gewichtsabnahme, geringes Gewicht
  • bei Jungtieren Wachstumsstörungen
  • Atemnot, schnellere oder zu langsame Atmenfrequenz, Flankenatmung
  • bei beigen und weißen Chins färben sich die Öhrchen oft rot
  • Krämpfe
  • Verstopfung, Durchfall, Aufgasung
  • fehlende körperliche Ausdauer, schnelles und häufigeres Erschöpft-Sein z.B. beim/nach dem Auslauf
  • Tier stützt sich häufig ab
  • Tier legt sich häufig hin
  • Verhaltensauffälligkeiten wie unerklärbare Aggression gegenüber dem Halter oder/ und Partnertier(en), Rückzug/ Apathie oder kurzzeitige Hyperaktivität, oft sich abwechselnde Phasen zwischen all den Verhaltensweisen

Ursachen

  • angeboren, vererbt (Vermehrung, Inzucht!)
  • altersbedingt (ab ca. 10 Jahren)
  • Entzündung & Schädigung des Herzmuskels aufgrund einer anderen verschleppten, nicht behandelten Erkrankung (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, bakterielle/virale Atemwegserkrankung)

Diagnose

  • Abhören mit einem Stethoskop: Anormale Herzgeräusche? Wo genau?
  • Röntgen: Liegt ein zu großes Herz vor? Flüssigkeit in der Lunge vorhanden?
  • ggfs. Ultraschall für genauere Diagnose

Therapie

  • solange noch kein Wasser in der Lunge und das Tier relativ stabil ist, sollte versucht werden mit nebenwirkungsfreien, bewährten, pflanzlichen Mitteln zu behandeln: Cardio Liquid, Cardio Komplex, Crataegus-(Weißdornextrakt)-Präparate
  • bringt dies nicht den gewünschen Erfolg oder ist das Chin nicht stabil genug existieren chemische Herzmedikamente wie ACE-Hemmer und Herzglykoside (Digitalispräparate)
  • "Kann keine echokardiographische Untersuchung durchgeführt werden, so dürfen niemals auf Verdacht hin Digitalispräparate appliziert werden. In solchen Fällen ist dem Einsatz von ACE-Hemmern der Vorzug zu geben." (Ewringmann)
  • je nach Diagnose zeigt das Mittel Vetmedin (Calcium-Sensitizer, Wirkstoff: Pimobendan mit der empfohlenen Einstiegsdosierung von ) sehr gute Erfolge bei gleichzeitiger guter Verträglichkeit - Mittel der Wahl, was sich bei Chins bewährt hat
  • bei Wasser in der Lunge ist zusätzlich ein Diuretikum (Furosemid) unerlässlich
  • pflanzliche Mittel wie Cardio Liquid können zusätzlich unterstützend eingesetzt werden

Weitere wichtige Infos

  • hohe Luftfeuchtigkeit meiden
  • hohe Temperaturen meiden, unbedingt Kühlmöglichkeiten anbieten; bei Raumtemperaturen über 26 Grad eine Klimaanlage anschaffen oder Käfigstandort wechseln
  • Stress in Form von Jagen beim Einfangen, Vergesellschaftungen, etc. minimieren
  • Narkosen sind bei Herzpatienten gefährlicher als bei gesunden Chinchillas und sollten nur in Ausnahmefällen erfolgen

(1) Vgl. Pignon, C et al (2012): Evaluation of heart murmurs in chinchillas ( Chinchilla lanigera ): 59 cases (1996–2009) - In: Journal of the American Veterinary Medical Association 241(10):1344-7 - Link

(2) Vgl. Linde, A et al (2004): Echocardiography in the chinchilla - In: J Vet Intern Med Sep-Oct 2004;18(5):772-4 - Link