Frakturen (Knochenbrüche)

Knochenbrüche kommen bei Chinchillas immer wieder vor z.B. wenn die Tiere im Käfig stürzen oder einen Umfall im Auslauf haben.

Brüche an Pfötchen, Beinen und Füßen

Die häufigsten Brüche sind die an Pfötchen, Beinchen und Füßchen. In den meisten Fällen wachsen die Brüche komplikationslos wieder zusammen und die Tiere können sich (fast) uneingeschränlt wieder bewegen. Eine Behandlung besteht aus:

  • Bewegungsmöglichkeiten stark einschränken: Chinchilla wird über mehrere Wochen in einer großen Katzenbox oder einem kleinen gitterfreien (wichtig, da das Tier sonst das Gitter hochklettert/-springt) Käfig gehalten und es wird kein Auslauf mehr gegeben; stattdessen sollte man in der Zeit viel Beschäftigung bieten in Form vom Zweigen, Weidebällchen etc. und das Tier Gitter an Gitter, in den Käfig oder in die Nähe des Käfigs des Partners gestellt
  • Gabe von Meloxicam, ggf. in Kombination mit Metamizol
  • Ggf. Gabe von Antibiotikum
  • Selten: Je nach Bruchart kann eine OP notwendig sein (z.B. bei offenen Brüchen)
Eines meiner Pflegetiere erlitt beim Vorbesitzer bei einer misslungenen Vergesellschaftung einen Beckenbruch. Dieser wuchs super zusammen und das Tier ist wieder uneingeschränkt beweglich.
Chinchilla mit einer Beinfraktur
Chinchilla mit einer Beinfraktur

Sonstige Brüche

Frakturen der Wirbelsäule bedeuten in den meisten Fällen, dass das Chinchilla erlöst werden muss. Ein mir bekanntes Tier erlitt beim Sturz einen Wirbelsäulenbuch (durch Rötgen festgestellt) und konnte in Folge dessen nicht mehr fressen bzw. schlucken. Leider musste es euthansiert werden, weil selbst hochdosierte Schmerzmittel am Zustand nichts geändert haben.

 

Brüche an Fingern und Zehen stellen keine Gefahr oder Einschränkung für Chinchillas dar. Meist reicht pure Heilerde zum Baden aus sowie ggf. die Gabe von Meloxicam, damit die Fingerchen etc. wieder zusammenwachsen. Man sollte lediglich darauf Acht geben, dass keine Entzündung entsteht und dann ggf. hochwandet, da in dem Fall eine Amputation notwendig sein könnte.


Erfahrungsberichte

Autor: Frauke, 2021
Beckenbruch 
Unsere Jüngste, Lucy, hatte sich nach einem unglücklichen  Sturz vom Brett das Becken gebrochen. Und das, obwohl wir im Käfig keine großen Fallhöhen haben. Alles, was dann folgte, war eine richtige Odyssee.  Wir waren nach dem Unfall sofort in der Tierklinik. Zunächst sah es auf dem Röntgenbild nach einem einfachen, kaum verschobenen Bruch aus. Für unsere Süße hieß es dann absolute Ruhe für mindestens. 6 Wochen. Die Kleine bekam zunächst nur Metacam, was natürlich bei der Stärke der Schmerzen natürlich nicht ausreichend war, zudem auch noch falsch dosiert. Nächsten Tag mussten wir wieder hin, weil sie das Fressen einstellte. Daraufhin bekam sie Antibiotikum, Metacam UND Novalgin. Beides falsch dosiert. Zudem hatte sie vermeintlich Untertemperatur, weshalb wir sie zu warm gehalten hatten. Daraufhin bekam die Maus Krampfanfälle, die sich die Ärzte nicht erklären konnten. Wir waren 4 Tage bzw Nächte in Folge mit ihr beim Arzt. Am 4. Tag bekam ich doch heftige Zweifel an den Ärzten. Das Antibiotikum hatte ich schon einen Tag nach Verordnung eigenständig abgesetzt. Jedenfalls haben die Ärzte sie auf eine Temperatur von 39 °C "gekocht". Also haben wir ihr die Wärme genommen, woraufhin natürlich die Krampfanfälle aufhörten. Und nächsten Tag sind wir zu unserer Haustierärztin. Es stellte sich heraus, dass sie sich das Becken nicht nur auf einer Seite gebrochen hatte, sondern auf der anderen Seite ein Haarriss bestand. Sie bekam Metacam und Novalgin in der richtigen Dosierung, Bene Bac (das hatte ich ihr schon vorher gegeben), rodicare Appetit. Weiter habe ich ihr noch Schwarzkümmelöl gegeben und sie insgesamt 5 Tage päppeln müssen. Am 6. Tag versuchte die Kleine ständig auf den Vorderbeinchen zu laufen. Da das nich ging, hat sie sich ständig überschlagen. Dabei hat sie sich irgendwann den Schwanz unterhalb des Beckens "abgerissen" und der Bruch hat sich verschoben. Das stellten wir nach 4 Wochen beim Kontrollröntgen fest. Da es ihr nach vier Wochen von den Schmerzen her besser ging, mussten wir viel mit Metacam und Novalgin experimentieren. Sie brauchte gerade so viel, dass die Schmerzen nicht zu groß sind, sie aber dennoch ruhig bleibt. Bei voller Dosierung bewegte sie sich als hätte sie nix. Metacam blieb in der richtigen Dosierung bestehen, Novalgin hatten wir um die Hälfte reduziert. Damit hatte sie dann wieder zu dolle Schmerzen und stellte wieder das Fressen ein. Also haben wir nur um ⅓ reduziert und uns so Tag für Tag rangetastet bis sie in Woche 7 kein Schmerzmittel mehr brauchte. Insgesamt hat die gesamte Prozedur 9 Wochen gedauert. Kontrollröntgen wurde in WO 4, 7 und 9 gemacht. 
Der Schwanz ist nie wieder angewachsen und hängt relativ gefühllos rum. Auch das Becken ist nicht mehr in der richtigen Position auf der linken Seite und die hat Schwierigkeiten beim Pieseln. Leider erwischt sie dabei immer das linke Hinterbein. Sie wird ihr Leben lang hinken und möglicherweise hat das im Alter Auswirkungen in Form von Arthrose, aber sie ist ein total lebensbejahender Quirl. Ihre Behinderung schränkt sie nicht ein. Sie kann sogar schon wieder aufs Sofa springen. Sie war ultra tapfer. 

Autor: Frauke, 2021
Kieferbruch

Es war die kleine Nala. Ich hatte sie im November 2014 aus einem belgischen Notfall aufgenommen. Sie war angeblich 1,5 Jahre alt, recht dünn (kam auch später nie wirklich über 400g raus) und hatte ein Herzproblem. Da ich seit Juni 2015 regelmäßig zur Praxis S. fahre, hatte ich Nala auch immer mal wieder zur Herzkontrolle und auch zum Zahncheck dabei. Sie hatte dann im November 2017 plötzlich einen Wackelzahn, der entfernt wurde. Eine Woche später hatte sie schlechter gefressen und roch komisch. Also fuhr ich mit ihr (da meine Tierärzte Mitte Dezember im Urlaub waren) nach Saarbrücken in eine Tierklinik, die mir für Chins auch empfohlen wurde. Ich erzählte von der Zahnentfernung und vom Herzproblem. Die nahmen Nala mit zur Untersuchung und sagten, ja, das wäre entzündet. Sie gaben mir ein Antibiotikum und Schmerzmittel. Komischerweise wurde es nicht besser. Nala hat nur Brei gegessen. Also hab ich eine weitere Woche später, als S. wieder zurück waren, Nala genommen und bin dahin gedüst. Frau S. hatte genau 3 Sekunden ins Mäulchen geschaut und festgestellt, dass der Unterkiefer gebrochen war. Deswegen konnte sie nicht fressen. Herr S. hatte dann mit Draht eine Schiene/ Spange gemacht, die alle 14 Tage angepasst wurde, da sie sonst mit den Zähnen rausgewachsen wäre. Also von Dezember bis Anfang April alle 2 Wochen zur Praxis und dazwischen nur Brei füttern. Nala war so tapfer. Sie bekam in der Zeit Traumeel. Mitte April hat sie dann Blähungen bekommen. Ich war am 13. April 2018 (Freitag!) wieder in meiner Praxis, dort hatten sie die komplette Genesung des Bruchs bestätigt, und sie dürfe wieder feste Sachen essen. Leider hatten sie auch massiven Giardien-Befall festgestellt und mir Panacur für sie und die anderen mitgegeben. Ich bin nicht mehr dazu gekommen, ihr das zu geben. Am nächsten Abend wollte ich damit anfangen, aber am Morgen war sie bereits sehr schwach und ist am späten Vormittag gestorben. Die kleine Kämpferin hatte hier also doch verloren.


Autor: Frauke, 2021

Doppelter Beinbruch

Snowy ist geboren im März 2011. Am 05.03.2014 habe ich gesehen, dass er im Käfig versucht hat, von einer Plattform auf die andere zu springen, dabei aber immer wieder heruntergefallen ist. Ich hab ihn mir sofort geschnappt und dann gesehen, dass das linke Hinterbein etwas leblos herunterhing. Panisch bin ich zum Notdienst in die Tierklinik T. gedüst, wo Snowy geröntgt wurde. Sein linkes Hinterbein war zweimal gebrochen, einmal kurz unter dem Knie und einmal kurz über dem Sprunggelenk. Der Arzt wollte ihn operieren mit externem Fixateur. Das war mir irgendwie nicht ganz geheuer, und ich habe Snowy erstmal mit nach Hause genommen. Von seinen Mädels getrennt habe ich ihn in einen kleinen Käfig mit nur einer Ebene gesetzt und überlegt, was ich machen soll. Da mir der Arzt am nächsten Tag bestätigt hat, dass der Bruch nicht sehr verschoben ist, habe ich von der OP abgesehen, gab ihm Schmerzmittel und hatte ihn 3 Monate auf einer Ebene sitzen, dann vorsichtig ein Häuschen reingestellt und seine Aktivitäten langsam wieder gesteigert. Und was soll ich sagen? Es ist super geworden, und man hat ihm hier nie wieder etwas angemerk t. Die damalige Voliere, hab ich danach ausgetauscht. Neulich habe ich mal ein Röntgenbild machen lassen, da sah es tatsächlich sehr sauber verheilt aus:


Autor: Frauke, 2021

Brustbeinbruch

Am 13.12.20 hatte Amui mit ihrer Gruppe Freilauf, wie jeden Abend. Da ich zur Zeit die untere Etage des Schranks, in dem die 3er Gruppe wohnt, nicht in Betrieb hatte, mussten die 3 über einen kleinen Katzenkratzbaum aus dem Schrank raus und wieder rein. Das klappte aber seit einem halben Jahr prima. Gegen Ende der Auslaufzeit habe ich den Schrank sauber gemacht und gefüttert. Aus dem Augenwinkel habe ich gesehen, dass Amui wohl in den Schrank kommen wollte. Ich glaube, sie wollte auf das untere Brett des Kratzbaums springen, ist aber wohl abgerutscht und muss auf die Kante der Bodenplatte gefallen sein. Die Fallhöhe war nur 35 cm, also eigentlich nicht wirklich hoch. Sie lief dann weg, aber dabei hörte ich so ein komisches Geräusch, das ich überhaupt nicht einordnen konnte. Sie schien auch Schmerzen zu haben. Ich habe sie genommen, und dabei gab es wieder dieses Geräusch. Es war ein knorpeliges Knacksen, wie ich im Nachhinein weiß. Ich hatte ihr Schmerzmittel gegeben, danach schien es ihr besser zu gehen. Da mein Anruf beim Notdienst bei der Tierklinik auf keine große Begeisterung stieß ("Schauen Sie doch erstmal, wie es sich entwickelt... um ein Chinchilla zu röntgen, muss man es in Narkose legen, und dazu braucht man ja zwei Ärzte... wir sind gerade unterbesetzt") hatte ich beschlossen, am nächsten (Sonntag) morgen in die Tierarztpraxis nach L. zu fahren, die Sonntags Notfallsprechstunde haben. Hier wurde geröntgt und eine Fraktur des Brustbeins festgestellt. Daher auch das Knacksen. Also hat mein Freund schnell einen Käfig mit nur einer Ebene gebaut, und da verbrachte sie dann glaub so 5 Wochen mit gezieltem Auslauf (bei leerem Zimmer, wo man nirgends springen kann). Auch sie bekam Schmerzmittel. Ihr geht es inzwischen wieder prima.

Gebrochenes Brustbein (siehe den kleinen Versatz)
Gebrochenes Brustbein (siehe den kleinen Versatz)