Aggressive & (angeblich) unverträgliche Chinchillas

Vorwort

Leider werden Chinchillas nicht selten alleine gehalten, weil sie sich nach mehreren Versuchen immernoch nicht mit einem Artgenossen vergesellschaften ließen. Das ist sehr traurig, denn Chins sind Gruppentiere, die zum Glücklich-Sein mindestens einen Artgenossen brauchen.

 

Welche Ursachen aggressives Verhalten eines Chinchillas haben kann und warum viele Chinchillas als nicht vergesellschaftbar gelten, soll nun in Folgendem aufgezeigt werden.

 

Solange nicht alle Eventualitäten in Betracht gezogen wurden und solange nicht versucht wurde die Gründe zu beseitigen, sollte kein Chinchilla alleine leben. Doch selbst bei tatsächlich nicht vergesellschaftbaren Chinchillas existieren andere, weitaus chinchillafreundlichere Alterntiven, nämlich die artfremde Gemeinschaftshaltung mit v.a. Degus, siehe hier: Wohngemeinschaften mit artfremden Heimtieren

 

Äußere Ursachen

  • falsche VG-Methode: die Methode ist immer individuell und auf die Tiere zugeschnitten zu wählen, es gibt nicht DIE richtige Methode
  • Vergesellschaftung wird unter Zwang ausgeführt, obwohl der erste Kontakt schon negativ verlief, die Tiere sich immer rupfen etc.
  • ein zu kleiner Käfig bzw. zu wenig Platz zum Leben
  • ein zu großer Käfig
  • Wahl des falschen Partners (auf fast jeden Topf passt ein Deckel, man muss ihn nur finden; Chins sind individuelle Persönlichkeiten und manchmal muss man eben sehr lange nach was Passendem suchen)
  • Wahl des falschen Geschlechtes (es gibt z.B. Böcke, die einfach keine Böcke mögen)
  • Störung durch andere Chinchillas allgemein (nicht nur andersgeschlechtliche, manche Chins ertragen keine anderen Chins im selben Raum oder gar im selben Haushalt)
  • Überforderung und Druck seitens des Halters (Chins spüren den Stress)
  • Überforderung des Tieres durch zu viele VGs innerhalb kürzester Zeit, durch Partnertrennung, Partnertod
  • zu wenig Beschäftigung und Käfigeinrichtung
  • Futterneid, zu wenig Futter, zu wenige Näpfe
  • zu große Gruppen
  • häufig durch den Halter veränderte Gruppen, Gruppeninstabilität (Folge: Stress, Trauer, Aggression)

Körperliche Ursachen

  • hormonelle Störungen (z.B. übermäßiger Geschlechtstrieb (eine Kastration kann Hilfe schaffen), Schilddrüsenüberfunktion etc.)
  • Schmerzen
  • andere physische Erkrankungen
  • Trächtigkeit
  • Nachwuchs

Psychische Ursachen

  • traumatische Erlebnisse und die dadurch ausgelöste Angstaggression: z.B. ausgelöst durch aggressive Artgenossen/Bisse, Messihaltung, Vermehrung, Futtermangel, Einzelhaltung etc.
  • bisherige, lange Einzelhaltung, fehlende Sozialisierung, zu frühe Trennung vom Muttertier bzw. Artgenossen generell: das Chin muss das chintypische Verhalten erst wieder erlernen

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Kommentare: 11
  • #1

    Barbara (Dienstag, 25 Februar 2020 09:31)

    Hallo :)

    Wir haben seit ca. 3 Monaten 2 Chinchis und haben diese aus dem Tierschutz gerettet. Nun haben wir einen neueb Käfig gekauft, da der alte durch Außenstehen im Winter sehr verrostet war. Nun haben die zwei(vorallem der größere) seit ca 2 Tagen ein Problem miteinander. Wenn sie im Käfig sind geht der größere ohne ersichtlichen Grund(beide schlafen) auf den anderen los bzw. Jagt ihn. Die beiden haben täglich ca. 2 stunden Auslauf in einem Zimmer indem sie auch schön springen und laufen können.
    Und vorher haben sie sich auch immer vertragen(sind beide ca 4 Jahre alt und Brüder)
    Haben Sie hier irgendwelche Tipps?

    Liebe Grüße,
    Barbara

  • #2

    Miriam (Chinchilla-Scientia-Beratungsteam) (Mittwoch, 26 Februar 2020 10:23)

    Nur zur Info für mögliche stille Mitleser: Da Barbara sich ebenfalls per Mail an uns gewandt hat, findet die Beratung dort statt :)

  • #3

    Manuela Buchholz (Montag, 03 August 2020 23:31)

    hallo, Ich bin Pflegestelle für Chinchillas. Ich habe eine Gruppe von 5 Tieren übernommen. Mutter 2 Jahr, Tochter 1 Jahr und Geschwister 8 Wochen. (Böckchen, 1 Weibchen) Die 1 Jährige Tochter hat nun 1 Chinchillababy bekommen. Jetzt geht sie komplett auf die 8 Wochen alten chins los und jagt die komplett durch den Käfig. Ich Dacht erst es liegt an den Böckchen. Diese habe ich dann rausgekommen und erst mal war Ruhe. Doch nun geht sie weiter auf das 8 Wochen alte Mädchen los. Ich musste sie nun auch rausnehmen. Gegen ihre Mutter ist sie bisher nicht gegangen. Kann mir das jemand erklären? Ich bin total ratlos.

  • #4

    Aleksandra (Chinchilla-Scientia-Beratungsteam) (Montag, 03 August 2020 23:51)

    Hallo
    Ganz erklären wird man das nicht können. Gruppen zerstreiten sich bei Chins auch einfach so aus dem Nichts. Hier wird der Stress durch die kurz nacheinanderfolgenden Geburten sowie ein ausgeprägter Beschützerinstinkt gegenüber dem eigenen Baby mit eine Rolle spielen. Auch zu wenig Platz, eine Krankheit, aufdringliche potente Böckchen und weitere Stressfaktoren können solches Verhalten auslösen.
    Für das junge Muttertier (und dem Rest natürlich) wird es das Beste sein, es mit ihrem Baby alleine zu halten, und die restlichen Tiere, insofern der Bock inzwischen kastriert ist und der acht Wochen junge Bock frűhkastiert wird, zusammen zu lassen. Alles Gute.

  • #5

    Manuela Buchholz (Dienstag, 04 August 2020 07:14)

    Hallo, Vielen Dank für die schnelle Rückantwort. Ich habe die Mutter mit Baby jetzt separiert. Es ist ihr erster Nachwuchs. Die 8 Wochen alten Jungtiere sind ihre Geschwister und es gibt keinen ausgewachsenen Bock. Ich hab einfach nicht verstanden, warum sie ausgerechnet auf ihre kleinen Geschwister los geht aber nicht auf ihre Mama die ja auch mit in der Gruppe lebte. Mir ist nicht klar warum die kleinen Geschwister ausgerechnet eine Gefahr für sie darstellen? Ich hätte gelesen, Das dich die ganze Familie normal mit um den Nachwuchs kümmert. Es macht mich sehr traurig, das ich die Grupp jetzt trennen musste. Meine Angst ist jetzt das, dass neugeborene es vielleicht nicht schafft und sie dann ganz alleine ist, denn es ist sehr klein und wog nur 30 Gramm. Die Tiere stammten von vermehrerern und das Mädchen war leider schon trächtig als es zu mir in Pflege kam.

  • #6

    Miriam (Chinchilla-Scientia-Beratungsteam) (Mittwoch, 02 September 2020 08:30)

    Hallo Manuela,

    mit einem Jahr ist die Maus auch noch mitten in der Pubertät und war mit der Situation wahrscheinlich einfach überfordert. Pubertäre Tiere neigen auch dazu, plötzlich die Rangfolge infrage zu stellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie da erstmal mit den "einfacheren Zielen" angefangen hat.

    Ob das Jagen aber tatsächlich pubertätsbedingt war, Mutterinstinkt zum Schutz ihres eigenen Babys oder eine ganz andere Ursache hatte, wird man leider nie sicher sagen können.

    Wie geht es denn ihrem Baby mittlerweile?

  • #7

    Petra Biallas (Mittwoch, 06 Januar 2021 17:54)

    Guten Tag, ich habe ein Chinchillaweibchen mit gesteigertem Aggressionsverhalten, das periodisch auftritt. Sie ist ca. 4 Jahre alt und lebt seit einem Jahr bei mir. Sie lebt getrennt von meinen anderen Chinchillas, da sie unberechenbar ist. Sie zeigt mehrere Wochen soziales, freundliches Verhalten den anderen Tieren gegenüber, aber dann tritt ungefähr alle 4 bis 6 Wochen ein extrem aggressives Verhalten auf. Ich hatte sie mit 3 verschiedenen Tieren vergesellschaftet. Bei allen Partner zeigte sie nach mindestens einen Monat folgendes Verhalten:
    -fixieren und belauern
    - bei Bewegung des anderen Tieres Angriff mit Verletzungs- oder sogar Tötungsabsicht
    Das Weibchen ist nach einigen Tagen wieder " normal".
    Momentan darf das Weibchen unter Aufsicht mit einem behinderten Bock stundenweise ( max. 2 h) frei laufen, zusammen leben dürfen die beiden nicht, die Gehege stehen nebeneinander. Der Bock ist der dominante Part bis auf die kritische Zeit, da wird er auch bedroht. Die Tiere bleiben während dieser Zeit getrennt. Das Weibchen lebte mit ihrem Partnertier in einem 3m3 Gehege mit nächtlichen Freilauf. Die Tiere könnten sich aus dem Weg gehen.
    Ein Tierarzt könnte das Verhalten nicht erklären, ich glaube aber an ein hormonellen Problem. Gibt es für dieses Tier eine Behandlungsmöglichkeit ?

  • #8

    Aleksandra (Chinchilla-Scientia-Beratungsteam) (Mittwoch, 06 Januar 2021 18:02)

    Hallo

    Ich kenne solch ein Verhalten bisher nur von hitzigen Weibchen und wenn der Bock penetrant ist oder von kranken Tieren, die oft auch Schmerzen haben. Ich persönlich hätte ein herzkrankes Tier, das ähnlich plötzlich unberechenbar war.
    Wurde das Chin bei einem kompetenten Tierarzt komplett fachmännisch untersucht? Sprich z.B. Herz und Lunge anhören und Röntgen, Gebiss röntgen, ggf komplett Torax und Abdomen röntgen....
    Was wiegt sie?

    Erst wenn all das ausgeschlossen bzw gemacht wurde, könnte man die Schilddrüse anhand einer Blutentnahme checken und an ggf auch andere Hormone denken. Da gibt's auch für beides bei Bedarf pflanzliche Unterstützung.

    Ansonsten gibt's auch einfach Verhaltensstörungen, weiß man mehr über ihre Vergangenheit?

    Liebe Grüße

  • #9

    Petra Biallas (Donnerstag, 07 Januar 2021 12:44)

    Ein Tierarzt hatte das Tier nur äußerlich begutachtet, der Tierarzt hatte mehrere Jahre eine Pelztierfarm für Chinchillas betreut. Er hat das Tier abgetastet und begutachtet. Tierärzte mit Erfahrung für Chinchillaerkrankungen sind leider Mangelware. Blutabnahmen werden bei Chinchillas kaum durchgeführt und die Blutwerte teilweise falsch interpretiert. Ich habe diese Erfahrung mit meinem behinderten Tier machen müssen.
    Das Tier kommt aus einer aufgelösten Zucht ( mehrere hundert Tiere). Ob das Weibchen zur Zucht verwendet wurde ist wahrscheinlich. Das Tier wurde in einem Zuchtkäfig gehalten.

  • #10

    Petra Biallas (Donnerstag, 07 Januar 2021 13:19)

    Ich hatte vergessen das Gewicht des Tieres anzugeben. Das Weibchen wiegt 540 g. Das Tier hat einen schlanken Körperbau, ist aber nicht mager. Das Böckchen ist fast blind, gehbehindert und litt bis vor einem Jahr an Krampfanfällen ( Computertomografie ergab Veränderungen im Kleinhirn und Entzündung in der Stirnhöhle). Das Weibchen toleriert das behinderte Tier , ausser in der kritischen Woche.

  • #11

    Meike (Donnerstag, 08 Juli 2021 16:11)

    Hi, hab seit Jahre Chinchillas. derzeit betreue ich zwei Weibchen aus dem Tierheim seit ca. 2 Jahren. Sie haben sich bis Samstag gut vertragen.
    Seit Samstag jagd und hetzt eine die andere und beißt auch. Durch diesen Vorfall habe ich sie separiert. Käfig ist nichts neues - keine Futterumstellung- keine ungewohnte Umgebung. Von jetzt auf gleich ist dieses Verhalten aufgetreten.
    Wiegesagt hab sie erstmal separiert bis sie sich wieder erholten haben wollte, dann nochmal eine Vergesellschaftung vornehmen.
    Hättet Ihr noch andere Tipps oder hinweise wovon dies kommen könnte.